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Eine Müdigkeit, die kein freies Wochenende mehr auffängt, weniger Lust auf Sex, weniger Kraft beim Training und ein Bauch, der trotz gleicher Ernährung wächst: So beginnt ein Testosteronmangel meistens. Typische Anzeichen beim Mann sind Libidoverlust, seltenere Morgenerektionen, Erektionsprobleme, Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft, Zunahme von Bauchfett, Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit sowie Konzentrations- und Schlafstörungen.
Jedes dieser Zeichen kann allerdings auch ganz andere Gründe haben. Von einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) spricht die Medizin erst, wenn erniedrigte Blutwerte und passende Beschwerden zusammenkommen. Dieser Artikel ordnet ein, welche Symptome tatsächlich aussagekräftig sind, ab welchem Laborwert es kritisch wird und wann Sie einen Arzttermin nicht mehr aufschieben sollten.
Die wichtigsten Symptome im Überblick
Nachlassendes sexuelles Verlangen bis hin zur völligen Lustlosigkeit.
Seltenere oder schwächere Morgen- und Nachterektionen.
Erektionsstörungen, oft zusammen mit dem Libidoverlust.
Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft trotz unverändertem Training.
Zunahme von Bauchfett und ungünstige Veränderung der Körperzusammensetzung.
Anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
Sexuelle Symptome: die aussagekräftigsten Anzeichen
Unter allen Beschwerden sind die sexuellen am engsten mit dem Hormonspiegel verknüpft. Das Deutsche Ärzteblatt beschreibt eine Einschränkung der Libido, die Abnahme der morgendlichen Erektionen und eine Störung der Erektionsfähigkeit als die häufigsten Symptome, die bereits bei mäßig erniedrigten Werten auftreten. Treten alle drei gemeinsam auf, ist ein echter Mangel deutlich wahrscheinlicher als bei einem einzelnen Zeichen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Erektionsstörungen allein sprechen nicht für einen Hormonmangel. Häufiger stecken Gefäßveränderungen, Bluthochdruck, Diabetes, Nikotin, Medikamente oder psychische Belastungen dahinter. Fällt dagegen zuerst das Verlangen weg und erst danach die Erektion, passt das Muster besser zu einem Testosteronmangel. Auch eine nachlassende Fruchtbarkeit und ein kleineres Hodenvolumen gehören in diese Gruppe.
Körperliche Symptome: Muskeln, Bauchfett, Knochen
Testosteron erhält Muskelmasse, steuert die Fettverteilung und stützt die Knochendichte. Fehlt es über Monate, verschiebt sich die Körperzusammensetzung: Die Muskulatur bildet sich zurück, die Kraft lässt nach, und das Fett lagert sich bevorzugt am Bauch ein. Die München Klinik nennt außerdem eine Rückbildung der Körperbehaarung, schwächere Knochen und eine dünnere Haut als typische Erscheinungen.
Weniger bekannt, aber ärztlich relevant: Ein ausgeprägter Mangel kann eine Blutarmut begünstigen, weil Testosteron die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Und eine über Jahre verminderte Knochendichte erhöht das Risiko für Osteoporose und für Brüche nach eher harmlosen Stürzen. Beides sind Gründe, einen unklaren Befund nicht auf sich beruhen zu lassen.
Viele Männer bemerken zuerst die psychische Seite. Beschrieben werden Antriebs- und Energielosigkeit, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Dazu kommen Schlafstörungen, die den Effekt verstärken: Ein großer Teil der Testosteronproduktion läuft im Schlaf ab, schlechter Schlaf senkt den Spiegel zusätzlich.
Genau hier ist Vorsicht geboten. Antriebslosigkeit und gedrückte Stimmung sind Kernsymptome einer Depression, einer Schilddrüsenunterfunktion, eines Eisenmangels oder einer Schlafapnoe. Ein Hormonwert erklärt selten das ganze Bild. Wer diese Beschwerden hat, braucht eine Abklärung, die über die Testosteronbestimmung hinausgeht, und keine Selbstbehandlung.
Auf das Muster kommt es an: erst das Verlangen, dann die Erektion.
Testosteronwerte: ab welchem Wert spricht man von Mangel?
Die Blutentnahme gehört in die frühen Morgenstunden, üblicherweise zwischen 8 und 10 Uhr, weil der Spiegel bis zum Abend um rund ein Fünftel abfällt. Ein einzelner Wert reicht nicht: Bestätigt wird der Befund an einem zweiten Tag. Die folgenden Bereiche gelten für das Gesamttestosteron beim erwachsenen Mann und dienen ausschließlich der Orientierung. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf Ihrem eigenen Laborbefund.
Über 12 nmol/l (rund 350 ng/dl): Ein Mangel ist unwahrscheinlich. Das Deutsche Ärzteblatt nennt Werte über 12,1 nmol/l als normal.
Zwischen 8 und 12 nmol/l: Graubereich. Hier entscheiden das freie Testosteron, das SHBG und vor allem die Beschwerden.
Unter 8 nmol/l (rund 230 ng/dl): Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie spricht erst ab diesem Wert von einem echten Testosteronmangel; eine weitergehende Abklärung ist angezeigt.
Die Apotheken Umschau gibt für erwachsene Männer 2,41 bis 8,27 µg/l Gesamttestosteron im Serum an. Unterschiedliche Messmethoden führen zu unterschiedlichen Zahlen.
Wie wenig ein Laborwert allein aussagt, zeigt die European Male Aging Study: Erniedrigte Werte fanden sich bei 17 Prozent der Männer zwischen 50 und 79 Jahren, ein symptomatischer Hypogonadismus lag aber nur bei 2,1 Prozent vor. Ein niedriger Wert ohne Beschwerden ist deshalb kein Behandlungsgrund. Speicheltests und Selbsttests aus dem Internet sind für die Diagnose nicht geeignet.
Ein einzelner Wert reicht nicht: Bestätigt wird der Befund an einem zweiten Morgen.
Ursachen: wie es dazu kommt
Der Testosteronspiegel sinkt ab dem mittleren Lebensalter langsam, laut Deutscher Gesellschaft für Endokrinologie um etwa ein Prozent pro Jahr. Das allein macht aber noch keinen Mangel. Medizinisch werden drei Gruppen unterschieden.
Primärer Hypogonadismus. Die Störung liegt in den Hoden selbst: Klinefelter-Syndrom, Hodenhochstand in der Kindheit, eine Mumps-Orchitis, Verletzungen, Hodentumoren sowie Chemo- oder Strahlentherapie. LH und FSH sind dabei erhöht.
Sekundärer Hypogonadismus. Hier fehlt das Steuersignal aus Hypothalamus oder Hypophyse, etwa durch einen Hypophysentumor, ein Prolaktinom, eine Bestrahlung im Schädelbereich oder eine Hämochromatose. LH und FSH sind niedrig oder unangemessen normal.
Funktionelle Ursachen. In der Praxis am häufigsten und meist beeinflussbar: ausgeprägtes Bauchfett, Typ-2-Diabetes und metabolisches Syndrom, obstruktive Schlafapnoe, chronische Nieren- oder Lebererkrankungen, starker Alkoholkonsum, Opioide, Glukokortikoide sowie der Missbrauch von Anabolika. Viszerales Fettgewebe wandelt Testosteron vermehrt in Östradiol um und drosselt die Steuerung im Gehirn. Deshalb hebt eine Gewichtsabnahme den Spiegel messbar an.
Die funktionellen Ursachen sind am häufigsten - und meist die einzigen, an denen sich etwas ändern lässt.
Wann Sie zum Arzt sollten
Ein Testosteronmangel ist keine Notfalldiagnose, aber einige Konstellationen gehören zeitnah in ärztliche Hände. Vereinbaren Sie einen Termin in der hausärztlichen oder urologisch-andrologischen Praxis, wenn Folgendes zutrifft:
Libidoverlust, ausbleibende Morgenerektionen oder Erektionsprobleme bestehen länger als vier bis sechs Wochen.
Die Hoden sind kleiner, härter oder schmerzhaft geworden, oder Sie tasten einen Knoten. Das gehört rasch urologisch abgeklärt.
Aus einer Brustwarze tritt Flüssigkeit aus, das Gesichtsfeld hat sich verändert oder es bestehen neue anhaltende Kopfschmerzen. Das kann auf einen Hypophysentumor hinweisen und sollte kurzfristig untersucht werden.
Die Pubertät blieb aus oder verlief unvollständig, etwa mit fehlendem Bartwuchs und sehr kleinem Hodenvolumen.
Ein Kinderwunsch bleibt über zwölf Monate unerfüllt.
Es besteht eine ungeklärte Blutarmut oder ein Knochenbruch nach einem Bagatellsturz.
Die Niedergeschlagenheit hält an, Interessen und Freude schwinden. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, etwa bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder im nächsten Krankenhaus.
Was Sie nicht tun sollten: Testosteron auf Verdacht einnehmen. Zugeführtes Hormon unterdrückt die eigene Produktion und die Spermienbildung, und ohne vorherige Diagnostik bleibt die eigentliche Ursache unentdeckt.
Behandlung: was hilft
Am Anfang steht nicht das Rezept, sondern die Ursache. Bei bauchbetontem Übergewicht ist die Gewichtsreduktion der stärkste Hebel und macht eine Hormontherapie oft entbehrlich. Ebenso wichtig: eine Schlafapnoe behandeln, Alkohol reduzieren, sieben bis acht Stunden Schlaf ermöglichen und mit der Ärztin prüfen, ob Opioide oder Glukokortikoide den Spiegel drücken.
Bleibt der Mangel nach Behandlung der Ursache bestehen und sind zwei Morgenwerte erniedrigt, kommt eine Testosteronersatztherapie infrage. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig. Eine Übersicht der verfügbaren Arzneimittel finden Sie in unserer Kategorie Testosteronmangel. Am häufigsten verordnet werden Gele zum täglichen Auftragen, etwa Testogel im Beutel oder Testotop; alternativ gibt es intramuskuläre Depotspritzen. Welche Form passt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Zwei Hinweise, die in der Werbung meist fehlen. Erstens: Bei aktuellem oder geplantem Kinderwunsch ist eine Testosterontherapie problematisch, weil sie die Spermienbildung unterdrückt. Hier gibt es andere Wege. Zweitens: Eine Therapie verlangt Verlaufskontrollen von Hämatokrit, Hormonspiegel und PSA-Wert nach drei, sechs und zwölf Monaten und danach jährlich. Frei verkäufliche „Testo-Booster“ mit Tribulus, Maca oder Bockshornklee haben in kontrollierten Studien nicht überzeugt; Zink und Vitamin D wirken nur bei nachgewiesenem Mangel.
Wie merke ich, dass ich zu wenig Testosteron habe?
An der Kombination mehrerer Beschwerden über Wochen bis Monate: nachlassendes sexuelles Verlangen, seltenere Morgenerektionen, Erektionsprobleme, anhaltende Müdigkeit, Kraftverlust trotz Training, mehr Bauchfett sowie Antriebslosigkeit und Reizbarkeit. Ein einzelnes Symptom sagt wenig aus. Sicherheit bringt nur die Blutuntersuchung, weil dieselben Beschwerden auch bei Schlafmangel, Depression oder Schilddrüsenproblemen auftreten.
Wie kann ich herausfinden, ob ich Testosteronmangel habe?
Über eine Blutentnahme in der Arztpraxis, morgens zwischen 8 und 10 Uhr und möglichst nüchtern, wiederholt an einem zweiten Tag. Bestimmt werden Gesamttestosteron, bei Grenzwerten zusätzlich SHBG und freies Testosteron sowie LH, FSH und Prolaktin. Speicheltests und Heimtests aus dem Internet sind dafür nicht geeignet.
Wie sehen Männer mit Testosteronmangel aus?
Ein eindeutiges Aussehen gibt es nicht. Möglich sind mehr Bauchfett bei gleichzeitig schmaleren Schultern und Armen, weniger Bart- und Körperbehaarung, eine Brustdrüsenvergrößerung, kleinere oder weichere Hoden und eine dünnere, blassere Haut. Diese Zeichen entwickeln sich über Jahre und fehlen bei vielen Betroffenen völlig.
Was macht Testosteron mit der Psyche?
Ein niedriger Spiegel geht häufig mit Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung, Reizbarkeit, geringerer Belastbarkeit und Konzentrationsproblemen einher. Testosteron ist dabei ein Faktor unter vielen: Dieselben Beschwerden gehören zum Kernbild einer Depression. Eine Hormontherapie ersetzt deshalb keine psychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung, wenn die Stimmung anhaltend leidet.
Wie kann man Testosteronmangel beheben?
Zuerst wird die Ursache behandelt: Gewichtsreduktion bei Adipositas, Therapie einer Schlafapnoe, Überprüfung von Opioiden und Glukokortikoiden. Bleibt der Mangel bestehen und sind zwei Morgenwerte erniedrigt, kommt eine verschreibungspflichtige Testosteronersatztherapie als Gel oder Depotspritze infrage, immer mit regelmäßigen Kontrollen von Hämatokrit und PSA-Wert.
Wie steigert man den Testosteronspiegel?
Ohne Medikamente wirken vor allem drei Dinge: Abnehmen bei bauchbetontem Übergewicht, sieben bis acht Stunden Schlaf und regelmäßiges Krafttraining. Weniger Alkohol und weniger Dauerstress helfen zusätzlich. Effekte zeigen sich über Wochen bis Monate, nicht über Tage. Nahrungsergänzungsmittel heben den Spiegel bei gesunden Männern nicht.
Ab welchem Wert spricht man von Testosteronmangel?
Werte über 12 nmol/l gelten als normal, Werte unter 8 nmol/l als echter Mangel; dazwischen liegt ein Graubereich, in dem freies Testosteron und Beschwerden den Ausschlag geben. Die Zahlen sind laborabhängig: Entscheidend ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund, nicht eine Tabelle aus dem Internet.
Gibt es Testosteronmangel auch bei jungen Männern?
Ja. Bei jüngeren Männern stecken häufiger klar benennbare Ursachen dahinter: Klinefelter-Syndrom, Folgen von Hodenhochstand oder Mumps, ein Prolaktinom, starkes Übergewicht oder der Missbrauch von Anabolika. Ausbleibende Pubertätsentwicklung, sehr kleine Hoden oder ein unerfüllter Kinderwunsch sind Gründe für eine zügige urologisch-andrologische Abklärung.
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE): Altersbedingter Testosteronmangel - Keine „männlichen Wechseljahre“, aber echte Symptome: endokrinologie.net
Kliesch S.: Testosteronmangel im Alter - normal oder pathologisch? Deutsches Ärzteblatt: aerzteblatt.de
München Klinik: Testosteronmangel - „Wechseljahre“ beim Mann: muenchen-klinik.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Testosteronhaltige Arzneimittel sind verschreibungspflichtig und dürfen nur nach ärztlicher Untersuchung angewendet werden.
Testosteronmangel: Symptome beim Mann erkennen | Apo365