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Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) meldet sich mit einem Beschwerdebild, das die meisten Menschen sofort wiedererkennen: rotes, tränendes Auge, Brennen oder Jucken, das Gefühl, ein Sandkorn unter dem Lid zu haben, verklebte Wimpern am Morgen, geschwollene Lider und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht. Dazu kommt ein Sekret, das je nach Ursache wässrig, schleimig oder eitrig-gelblich ist.
Diese Zeichen sagen zuverlässig, dass die Bindehaut gereizt ist. Sie sagen aber nicht, warum. Genau darauf kommt es an, denn hinter denselben roten Augen können Bakterien, Viren, eine Allergie oder schlicht trockene Heizungsluft stecken, und einige davon sind hochansteckend, andere überhaupt nicht. Dieser Text hilft Ihnen, die Formen auseinanderzuhalten und die Warnzeichen zu erkennen.
Die wichtigsten Symptome im Überblick
Gerötetes Auge, oft mit deutlich sichtbaren feinen Gefäßen in der Bindehaut
Tränenfluss, Brennen und Juckreiz
Fremdkörpergefühl, als wäre Sand oder ein Staubkorn im Auge
Die bakterielle Form fällt vor allem durch das Sekret auf. Die Bindehaut sondert eine weißlich-gelbe bis grünliche Flüssigkeit ab, die über Nacht eintrocknet und die Lider morgens regelrecht verklebt. Viele Betroffene bekommen das Auge zunächst kaum auf und müssen die Krusten mit Wasser aufweichen. Häufig ist anfangs nur ein Auge betroffen, das zweite folgt oft wenige Tage später, weil die Erreger über die Finger übertragen werden.
Juckreiz steht hier meist nicht im Vordergrund, eher ein Brennen und Druckgefühl. Eine unkomplizierte bakterielle Konjunktivitis heilt häufig auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab; antibiotische Augentropfen verkürzen den Verlauf und beenden die Ansteckungsfähigkeit schneller.
Virale Bindehautentzündung: wässrig und hochansteckend
Bei viralen Formen ist das Sekret klar und wässrig, das Auge tränt stark, verklebt aber typischerweise nicht. Sehr oft besteht gleichzeitig eine Erkältung oder ein Infekt der oberen Atemwege. Charakteristisch sind außerdem geschwollene Lymphknoten vor dem Ohr, die sich als druckempfindliche Knötchen tasten lassen.
Eine besondere Rolle spielen Adenoviren. Sie lösen die sogenannte Keratoconjunctivitis epidemica aus, die plötzlich mit starker Rötung, Schwellung der Bindehaut, ausgeprägtem Fremdkörpergefühl und Lichtempfindlichkeit beginnt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt die Inkubationszeit bei etwa fünf bis zwölf Tagen; ansteckend ist man in der Regel während der ersten zwei Wochen der Erkrankung, gelegentlich länger. Weil die Viren sehr umweltstabil sind und leicht über Hände, Handtücher und Türklinken weitergegeben werden, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen in Praxen, Kitas und Betrieben. Der direkte Adenovirus-Nachweis aus dem Bindehautabstrich ist in Deutschland nach § 7 Absatz 1 IfSG meldepflichtig. Antibiotika helfen gegen diese Form nicht.
Allergische Bindehautentzündung: Juckreiz steht im Vordergrund
Hier ist das Leitsymptom eindeutig ein quälender Juckreiz, begleitet von starkem Tränenfluss und oft einem fädigen, schleimigen Sekret. Fast immer sind beide Augen gleichzeitig betroffen, und die Lider verkleben nicht. Meist kommen weitere Allergiezeichen dazu: Niesattacken, laufende oder verstopfte Nase, Kratzen im Hals. Typisch ist auch die Wiederholung: dieselben Beschwerden zur Pollenzeit, beim Besuch einer Wohnung mit Katze oder jeden Morgen nach dem Aufstehen bei einer Hausstaubmilbenallergie. Die allergische Form ist nicht ansteckend.
Reizung und trockenes Auge: die stillen Auslöser
Nicht jede rote Bindehaut ist infiziert. Zugluft, Klimaanlagen, trockene Heizungsluft, Rauch, Chlorwasser, starke UV-Strahlung, lange Bildschirmarbeit und zu lange getragene Kontaktlinsen reizen die Bindehaut mechanisch oder chemisch. Auch ein trockenes Auge macht genau dieselben Beschwerden: Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung, phasenweise sogar vermehrtes Tränen. Diese Formen sind nicht übertragbar, halten aber oft hartnäckig an, solange der Auslöser bleibt.
Ursachen: wie es dazu kommt
Die Bindehaut überzieht das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider. Sie liegt ungeschützt an der Außenwelt und reagiert auf fast jeden Reiz mit Erweiterung ihrer feinen Gefäße. Deshalb ist die Rötung so unspezifisch.
Infektiös wird es durch Bakterien, häufig Staphylokokken, Streptokokken oder Haemophilus, sowie durch Viren, allen voran Adenoviren und Herpes-simplex-Viren. Übertragen wird fast immer per Schmierinfektion: Finger ans Auge, dann an Türklinke, Handtuch oder Smartphone, und von dort ins nächste Auge. Nicht infektiöse Ursachen sind Allergien, trockene Augen, Reizstoffe, Fehlsichtigkeit mit dauerhafter Überanstrengung und Kontaktlinsen.
Zwei Sonderfälle verdienen ausdrücklich Erwähnung. Chlamydien und Gonokokken, also Erreger sexuell übertragbarer Infektionen, können ebenfalls eine Bindehautentzündung auslösen, bei Erwachsenen durch Kontakt mit infektiösen Sekreten, bei Neugeborenen durch Übertragung während der Geburt. Diese Formen gehören immer in ärztliche Behandlung, weil sie unbehandelt die Hornhaut dauerhaft schädigen können. Und jedes rote Auge eines Neugeborenen ist ein Fall für die Kinderarztpraxis, nicht für Selbstbehandlung.
Ansteckung: wie lange besteht Ansteckungsgefahr?
Der Unterschied zwischen ein bis zwei Tagen und zwei bis drei Wochen entscheidet über Kita, Schule und Arbeit.
Ansteckend sind nur die bakteriellen und viralen Formen, nicht die allergischen und nicht die durch Reizstoffe verursachten. Bei einer bakteriellen Konjunktivitis unter antibiotischer Therapie klingt die Eiterbildung meist innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich ab, die Ansteckungsgefahr sinkt entsprechend rasch. Bei viralen Formen mit Adenoviren müssen Sie dagegen mit zwei, gelegentlich bis zu drei Wochen rechnen. Für Kita, Schule und Gemeinschaftseinrichtungen bedeutet das teils längere Ausfallzeiten und gegebenenfalls eine ärztliche Bescheinigung. Solange Beschwerden bestehen: eigenes Handtuch, Hände häufig waschen, nicht ins Auge fassen, kein Augen-Make-up teilen.
Wann Sie zum Arzt sollten
Schmerz, Sehverschlechterung und starke Lichtscheu passen nicht mehr zu einer einfachen Konjunktivitis.
Suchen Sie umgehend eine augenärztliche Praxis oder außerhalb der Sprechzeiten eine Augenklinik auf bei:
nachlassender oder verschwommener Sehkraft, die sich durch Blinzeln nicht bessert
starken Augenschmerzen statt bloßem Brennen
ausgeprägter Lichtscheu
Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen zusätzlich zum roten Auge
Bläschen an Lid, Nase oder Stirn als möglicher Hinweis auf Herpesviren
rotem Auge nach einer Augenverletzung oder nach Kontakt mit Chemikalien
rotem Auge bei einem Neugeborenen oder Säugling
rotem Auge bei Kontaktlinsenträgern, hier ist eine Hornhautentzündung möglich
starkem, eitrigem Sekret, das innerhalb von Stunden wiederkehrt
Auch ohne diese Alarmzeichen ist ein Arztbesuch sinnvoll, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten, nach zwei bis drei Tagen nicht besser werden, nach mehr als vier Wochen noch bestehen oder wenn Sie gleichzeitig eine bekannte Immunschwäche haben. Erste Anlaufstelle ist die Haus- oder Kinderarztpraxis, die bei Bedarf zur Augenärztin überweist.
Behandlung: was hilft
Der wichtigste Schritt ist die Einordnung, denn die Behandlung unterscheidet sich grundlegend. Eine virale Bindehautentzündung wird symptomatisch behandelt: befeuchtende Augentropfen ohne Wirkstoff, kühle feuchte Kompressen, konsequente Hygiene. Antibiotika nützen hier nichts. Eine bakterielle Form spricht auf antibiotische Augentropfen oder -salben an, bei allergischer Konjunktivitis helfen Antihistaminika. Kontaktlinsen bleiben in allen infektiösen und gereizten Phasen draußen.
Antibiotische Tropfen wirken nur bei bakterieller Ursache – gegen Adenoviren richten sie nichts aus.
Wenn ärztlich eine bakterielle Bindehautentzündung festgestellt wurde, finden Sie die passenden Präparate in unserer Kategorie Augen. Dazu gehören Gentamicin POS mit dem Antibiotikum Gentamicin 5 mg/ml als Tropfen oder Salbe sowie Azyter mit Azithromycin 15 mg/g in Einzeldosisbehältern, das als kurze Anwendungsdauer über wenige Tage konzipiert ist. Beide sind in Deutschland verschreibungspflichtig; Präparat, Dosierung und Dauer entscheidet die ärztliche Beurteilung.
Ein Hinweis, der wichtiger ist als jede Produktempfehlung: In der Kategorie stehen auch Kombinations- und Kortisonpräparate. Kortisonhaltige Augentropfen dürfen niemals auf Verdacht in ein rotes Auge getropft werden. Steckt eine Herpesinfektion dahinter, kann Kortison den Verlauf massiv verschlimmern und die Hornhaut dauerhaft schädigen. Solche Mittel setzen eine augenärztliche Untersuchung mit der Spaltlampe voraus. Gefäßverengende „Weißmacher"-Tropfen wiederum sollten allenfalls wenige Tage angewendet werden, weil sie das Auge austrocknen und die Reizung unterhalten. Und von selbst angesetzten Kamillenkompressen raten Augenärztinnen ab: Sie sind nicht steril und Kamille löst nicht selten selbst Allergien aus.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie erkennt man eine Bindehautentzündung?
An der Kombination aus Rötung, Tränen, Brennen oder Jucken, Fremdkörpergefühl und Sekret. Die Sehschärfe bleibt dabei im Wesentlichen erhalten, Schleimfäden können sie kurzzeitig trüben. Starke Schmerzen, echte Sehverschlechterung und ausgeprägte Lichtscheu passen nicht zu einer einfachen Konjunktivitis und sprechen für eine tiefere Beteiligung von Hornhaut oder Regenbogenhaut. Dann ist eine augenärztliche Untersuchung nötig.
Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Bakterielle und virale Formen ja, allergische und reizbedingte nein. Die Übertragung erfolgt fast immer als Schmierinfektion über die Hände, gemeinsam genutzte Handtücher, Waschlappen, Kissen oder Kosmetik. Deshalb wandert die Entzündung häufig vom ersten aufs zweite Auge und von einem Familienmitglied zum nächsten. Häufiges Händewaschen mit Seife und eigene Handtücher sind die wirksamsten Gegenmaßnahmen.
Wie lange ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Bei bakterieller Ursache endet die Ansteckungsfähigkeit unter antibiotischer Therapie meist innerhalb weniger Tage, weil die Eiterbildung rasch abklingt. Bei Adenoviren muss man laut Robert Koch-Institut davon ausgehen, dass das Virus in der Regel während der ersten zwei Wochen der Erkrankung ausgeschieden wird, in Einzelfällen länger. In dieser Zeit sind Kita, Schule oder Gemeinschaftseinrichtungen tabu.
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Eine unkomplizierte bakterielle Konjunktivitis heilt häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, mit antibiotischen Tropfen oft schneller. Virale Formen brauchen meist mehrere Wochen und klingen von selbst ab. Halten die Beschwerden länger als vier Wochen an, spricht man von einer chronischen Bindehautentzündung. Dann sollte gezielt nach der Ursache gesucht werden, etwa nach trockenem Auge oder einer Allergie.
Wie unterscheidet man eine virale von einer bakteriellen Bindehautentzündung?
Der beste Anhaltspunkt ist das Sekret: wässrig und klar spricht eher für Viren, dickflüssig weißlich-gelb mit verklebten Lidern eher für Bakterien. Geschwollene Lymphknoten vor dem Ohr und ein begleitender Atemwegsinfekt passen zu einer viralen Ursache. Sicher ist diese Unterscheidung allerdings nicht, die Bilder überschneiden sich stark. Eindeutig wird es erst durch die Untersuchung und gegebenenfalls einen Abstrich.
Was hilft schnell gegen eine Bindehautentzündung?
Kurzfristig lindern befeuchtende Augentropfen ohne Wirkstoff, kühle feuchte Kompressen und das Aufweichen verkrusteter Lider mit einem warmen, sauberen Waschlappen. Kontaktlinsen und Augen-Make-up bleiben weg. Ein antibiotisches Präparat wirkt nur, wenn tatsächlich Bakterien die Ursache sind, und ist verschreibungspflichtig. Bessern sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht, gehört das Auge ärztlich untersucht.
Darf man mit einer Bindehautentzündung arbeiten oder in die Kita?
Bei allergischer oder reizbedingter Konjunktivitis spricht nichts dagegen. Bei ansteckenden Formen sieht es anders aus: Kinder mit einer durch Adenoviren verursachten Bindehautentzündung sollten Kita und Schule für die Dauer der Ansteckungsfähigkeit meiden, oft zwei bis drei Wochen. Viele Einrichtungen verlangen ein ärztliches Attest vor der Rückkehr.
Kann eine Bindehautentzündung von selbst heilen?
Ja, das ist sogar der Regelfall. Sowohl viele bakterielle als auch nahezu alle unkomplizierten viralen Verläufe heilen ohne spezifische Therapie aus. Das gilt aber nur, solange keine Warnzeichen vorliegen und die Ursache klar ist. Bei Kontaktlinsenträgern, Neugeborenen, nach Verletzungen sowie bei Schmerzen oder Sehverschlechterung ist Abwarten die falsche Entscheidung.